Wir sind das Projekt "Participation Companion"!

In diesem Post teilen wir mit euch, was wir vorhaben.

Eine demokratische Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn ihre Mitglieder auch bereit sind in ihr zu wirken und sie zu gestalten – also zu partizipieren. Dabei ist Partizipation ein vielschichtiger Begriff, der - je nachdem in welchem Kontext man unterwegs ist – unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Die Ausprägung reicht dabei von den verfassten Formen der Partizipation, wie Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen bis zu unverfassten Formen, wie Demonstrationen. Partizipation findet allerdings auch außerhalb des politischen Bereichs statt. Zum Beispiel dann, wenn Rentner freiwillig Schülern bei ihren Hausaufgaben helfen oder ein Stadtteil gemeinsam seine Grünflächen in Schuss hält.

Herausforderung: Digital Participation Gap

Die anhaltende digitale Transformation schafft dabei neue Möglichkeiten Menschen bei ihren Partizipationsbemühungen zu unterstützen. Auf der anderen Seite besteht aber auch die Gefahr ganze Bevölkerungsgruppen durch den Einsatz digitaler Technologien von der Partizipation auszuschließen. Dies wird in Fachkreisen als “digital Participation Gap” bezeichnet. Dies ist eine ungünstige gesellschaftliche Entwicklung für die gesellschaftliche, da Partizipation und bürgerschaftliches Engagement von einer umfassenden und vielfältigen Nutzergruppe profitieren. Die Herausforderung besteht darin, allen Bürgerinnen und Bürgern digitale Unterstützungsmechanismen zur Verfügung zu stellen, die ihnen helfen, ihr Recht auf Partizipation auszuüben, und sie darüber hinaus motivieren, Partizipationsmöglichkeiten wahrzunehmen.

Von der Assistenz zum Begleiter: Virtual Companion

Der technische Fortschritt im Bereich der KI macht es bereits möglich, Systeme zu entwickeln, die mit einer Person zusammenarbeiten, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen; sie kooperieren. Diesen Fortschritt will sich das Projekt “Participation Companion for Civic Engagement” (PartComp) zu nutzen machen. Ziel des Projekts ist die wissenschaftlich fundierte Gestaltung eines auf Technologien der künstlichen Intelligenz basierenden Virtual Companion, der Bürgern bei ihrer Partizipation zur Seite steht.

Während Chatbots beispielsweise vor allem für den Kundensupport eingesetzt werden und virtuelle Assistenten zum Beispiel als Assistentinnen in Form von Siri oder Alexa auf mobieln Endgeräten oder im Smart Home Kontext dienen, verfolgen wir mit dem Virtual Companion einen wesentlich tiefgreifenderen und zukunftweisenderen Ansatz. Denn der Virtual Companion ist darauf ausgelegt eine Beziehung zum/zur Nutzer:in aufzubauen und so eine reichhaltigere und tiefere Interaktion zu ermöglichen. Hierzu haben wir und andere Forscher:innen sich bereits intensiv mit dem Übertragen von Theorien aus der zwischenmenschlichen Beziehung auf die Mensch-Maschine Interaktion beschäftigt. Zusammengefasst stellt der Ansatz des Virtual Companions eine persönliche, individuelle, soziale, emotionale und kognitive Schnittstelle und Interaktionsmöglichkeit dar, welcher proaktiv und autonom mit Nutzer:innen interagiert und darauf abzielt eine langfristige Beziehung aufzubauen. Im Rahmen dieses Projektes wollen wir vor allem die Einsatzmöglichkeiten dieses Ansatzes in Partizipationsszenarien beleuchten.

Ein Virtual Companion für die Partizipation

Die Hauptaufgabe des Virtual Companion ist dabei 1. (neue) Partizipationsmöglichkeiten zu entdecken und 2. eine Person bei der Wahrnehmung von Partizipationsmöglichkeiten zu unterstützen. Mit Hilfe einer transdisziplinären, partizipativen Forschung wollen wir die Fragen bearbeiten, wie und unter welchen Bedingungen KI so eingesetzt werden kann, dass die gesamte Gesellschaft von den neuen Möglichkeiten der digitalen Partizipation profitiert. Der Anwendungsbereich für das vorgeschlagene Forschungsprojekt ist das Projekt Sandkasten an der Technischen Universität Braunschweig. Sandkasten zielt darauf ab, alle Mitglieder der Universität in die Lage zu versetzen, sich an der Gestaltung ihres Campuslebens und (insbesondere während der COVID19-Pandemie) an gemeinsamen freiwilligen gesellschaftlichen Projekten zu beteiligen, die über die universitären Grenzen der hinausgehen. Um die Ziele des Forschungsprojekts zu erreichen, wollen wir eine besondere Form der gestaltungsorientierten Forschung nutzen das sogenannte Action Design Research (ADR). ADR ist eine Forschungsmethode, die Forscher und Praktiker zusammenbringt, um gemeinsam an der Lösung von Problemen zu arbeiten, die in der Organisation des Praktikers auftreten. ADR ist die Anwendung sozialwissenschaftlicher Forschungsansätze im Bereich der designorientierten Informationssystemforschung. Deshalb eignet sich ADR ideal für Forschungsprojekte mit Forschern und Praktikern, insbesondere wenn das Ziel ist, eine gesellschaftliche Wirkung zu erzielen. Mit ADR wollen wir “Orientierungs- und Veränderungswissen” für die zukünftige Gestaltung digitaler Partizipationsunterstützung entwickeln.

Auf diesem Blog wollen wir kontinuierlich über den Projektverlauf berichten. Neben aktuellen Entwicklung im Projekt wollen wir hier auch über unser Forschungserkenntnisse berichten und Stakeholder des Projekts zu Wort kommen lassen.

Wir freuen uns dieses spannende und zukunftsweisende Projekt gemeinsam gestalten zu können. Solltest du Fragen oder Anregungen haben, dann schreib uns doch einfach unter participation-companion@tu-braunschweig.de

Viele Grüße, Timo und Felix

Felix Becker
Felix Becker
Wissenschaftllicher Mitarbeiter

Meine Forschung behandelt das Design digitaler Unterstützung für die Smart Participation und die Integration von Stakeholdern in den Designprozess.

Dr. Timo Strohmann
Dr. Timo Strohmann
Forschungsgruppenleiter

In meiner Forschung beschäftige ich mich mit der zukunftsweisenden Gestaltung der Mensch-Maschine-Interaktion mit dem Ansatz des Virtual Companionships.

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